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Prof. Dr. Emil Kautzsch

Textbibel

Das Alte Testament

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Die Sprüche.

Kapitel 14.

Die Hauptsammlung vermischter Sprüche. (Fortsetzung)

1 Der Frauen Weisheit hat ihr Haus gebaut,
aber die Narrheit reißt es mit ihren eigenen Händen nieder.
2 Wer in seiner Geradheit wandelt, der fürchtet Jahwe,
wer aber krumme Wege geht, der verachtet ihn.
3 Im Munde des Narren ist eine Rute für den Hochmut;
den Weisen aber dienen ihre Lippen zur Bewahrung.
4 Wo keine Ochsen sind, ist die Krippe leer,
aber reichliches Einkommen gewinnt man durch des Stieres Kraft.
5 Ein wahrhaftiger Zeuge lügt nicht,
aber ein falscher Zeuge bringt Lügen vor.
6 Der Spötter sucht Weisheit, jedoch vergeblich;
für den Verständigen aber ist Erkenntnis etwas Leichtes.
7 Gehst du hinweg von dem thörichten Mann,
so hast du nichts von einsichtsvollen Lippen gemerkt.
8 Die Weisheit des Gescheiten ist, daß er seinen Weg versteht,
aber der Thoren Narrheit besteht in Betrug.
9 Der Narren spottet das Schuldopfer,
aber zwischen den Rechtschaffenen ist Wohlgefallen.
10 Nur das Herz selbst kennt sein Leid,
und auch in seine Freude kann sich kein Fremder mengen.
11 Das Haus der Gottlosen wird vertilgt werden,
aber der Rechtschaffenen Zelt wird blühen.
12 Mancher Weg dünkt einen gerade,
aber das Ende davon sind Todeswege.
13 Sogar beim Lachen kann das Herz Kummer fühlen,
und der Freude Ende ist Gram.
14 Von seinen Wegen wird satt, wer abtrünniges Herzens ist,
und ebenso von seinen Thaten ein wackerer Mann.
15 Der Einfältige glaubt jedem Wort,
aber der Gescheite achtet auf seinen Schritt.
16 Der Weise fürchtet sich und meidet das Böse,
der Thor aber braust auf und fühlt sich sicher.
17 Der Jähzornige verübt Narrheit,
und wer mit Ränken umgeht, wird gehaßt.
18 Die Einfältigen eignen sich Narrheit an,
aber die Gescheiten werden mit Erkenntnis gekrönt.
19 Die Bösen müssen sich vor dem Guten bücken,
und die Gottlosen an den Thoren des Frommen.
20 Sogar seinem Freund ist der Arme verhaßt;
derer aber, die den Reichen lieb haben, sind viele.
21 Wer seinem Nächsten Verachtung bezeigt, versündigt sich,
aber wohl dem, der sich der Elenden erbarmt.
22 Fürwahr, in die Irre geraten, die auf Böses bedacht sind,
aber Liebe und Treue erfahren, die auf Gutes bedacht sind.
23 Alle saure Arbeit schafft Gewinn,
aber bloßes Geschwätz führt nur zum Mangel.
24 Den Weisen ist ihr Reichtum eine Krone,
aber die Narrheit der Thoren bleibt Narrheit.
25 Ein Lebensretter ist der wahrhaftige Zeuge,
wer aber Lügen vorbringt, ist ein Betrüger.
26 In der Furcht Jahwes liegt eine starke Zuversicht;
auch die Söhne eines solchen werden eine Zuflucht haben.
27 Die Furcht Jahwes ist ein Born des Lebens,
daß man die Fallstricke des Todes meide.
28 In der Menge des Volks besteht des Königs Herrlichkeit,
aber durch Mangel an Leuten kommt des Fürsten Sturz.
29 Der Langmütige ist reich an Vernunft,
aber der Jähzornige bringt die Narrheit hoch.
30 Ein gelassener Sinn ist des Leibes Leben,
aber Leidenschaft ist wie Wurmfraß im Gebein.
31 Wer den Geringen bedrückt, lästert dessen Schöpfer;
dagegen ehrt ihn, wer sich des Armen erbarmt.
32 Durch seine Bosheit wird der Gottlose gestürzt,
aber der Fromme findet Zuflucht in seiner Redlichkeit.
33 Im Herzen des Verständigen ruht die Weisheit,
aber inmitten der Thoren giebt sie sich kund.
34 Gerechtigkeit erhöht ein Volk,
aber der Nationen Schmach ist die Sünde.
35 Ein kluger Diener gefällt dem Könige wohl;
aber seinen Grimm wird erfahren, wer schändlich handelt.